Marsch des Lebens Konferenzen

Seit 2016 findet jährlich die Marsch des Lebens Konferenz statt, die alle Träger und Freunde der Bewegung weltweit sammelt, vernetzt und schult. Das facettenreiche Programm umfasst neben inhaltlichen Inputs, Berichte aus den unterschiedlichen Nationen sowie Workshops rund um die Themen „Erinnern, Versöhnen, ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und für Israel“.
Besondere Highlights in den letzten Jahren waren die ausführlichen Lebensberichte von Holocaustüberlebenden und die Abende zu Ehren Israels mit Tanz, Theater und musikalischen Beiträgen.

Nächste Konferenz:

Tübingen, 12.-14.02.2021

 

Berichte der bisherigen Marsch des Lebens Konferenzen

2020

„NIE WIEDER“ SAGEN IST NICHT GENUG!

Vertreter von 19 Nationen auf der 5. Marsch des Lebens Konferenz

So international wie dieses Mal war die jährlich in Tübingen stattfindende Marsch des Lebens Konferenz noch nie. Aus 19 Nationen – von den USA über Ecuador, Litauen, Finnland und Großbritannien – reisten teilweise ganze Teams an. Unter dem Motto „Die Stimme gegen Antisemitismus auf die Straße bringen“ stellten sich die Teilnehmer der Herausforderung, dem Antisemitismus in ihrer Nation wirksam entgegen zu treten. Ein wichtiger Aspekt sei dabei die Aufarbeitung der Geschichte: „Jede Nation hat eine Geschichte von Schuld. Der richtige Umgang damit ist: die Wahrheit aussprechen, Buße und Umkehr“, betonte Marsch des Lebens Initiator Jobst Bittner.

Die einzige Überlebende aus Mykulytschyn

Zu dieser Wahrheit gehörte auch die Lebensgeschichte der Holocaustüberlebenden Ruth Michel. Sie ist die einzige Überlebende der letzten deutschen Razzia im Dezember 1941 in Mykulytschyn. „Ich erzähle meine Geschichte, um zu zeigen, wohin Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus führen kann. Ich tue das auch, weil es mein persönlicher Kampf gegen Antisemitismus ist“, erklärte sie in ihrer Einleitung. Gemeinsam mit ukrainischen Helfern ermordete ein Sonderkommando alle Juden des Dorfes per Genickschuss – Männer, Frauen und Kinder, darunter auch Ruths Vater Aaron Rosenstock. 2010 kehrte Frau Michel nach Mykulytschyn zurück, um das Massengrab zu suchen, das verwildert und vergessen im Wald lag. „Ich habe es frei räumen und begrünen lassen und eine Gedenktafel angebracht,“ erzählte sie den gespannten Zuhörern am Startabend der Konferenz. Es ist eines der vielen tausenden Massengräber in der Ukraine.

Ruth Michels Geschichte umfasst viele Nationen: Deutschland, Polen, die Ukraine und Russland. Bischof Anatolij Gavriluk aus der Ukraine und Edward Ćwierz aus dem polnischen Kielce erzählten sehr persönlich, wie schwer es teilweise in ihren Nationen ist, die Decke des Schweigens über antijüdische Pogrome und Antisemitismus zu zerbrechen.

Ein Instrument des Friedens

Doch umso ermutigender waren die vielen Berichte darüber, wie jeder Marsch des Lebens nachhaltige und sichtbare Veränderungen hervorbringt. Ein Beispiel dafür ist der Bürgermeister des 12. Bezirks in Budapest. Nachdem ein Journalist die aktive Beteiligung von dessen Großvaters bei einem Massaker an Juden herausgefunden hatte, suchte der Bürgermeister bei Vertretern des Marsch des Lebens Rat, wie Aufarbeitung und Versöhnung möglich werden kann und traf sich anschließend mit der Jüdischen Gemeinde. Die Türen für die Aufarbeitung über die Beteiligung der ungarischen Bevölkerung am Holocaust öffnen sich zunehmend und bereits in diesem Jahr wird es in Ungarn Seminare zur persönlichen Aufarbeitung geben.
In Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, wurde 2019 der Marcha de La Vida als „Instrument des Friedens in der Stadt“ ausgezeichnet und geehrt. Auch die Stadt Halle hat den Marsch des Lebens offiziell als städtische Veranstaltung gegen Antisemitismus erklärt. Die Holocaustüberlebende Ruth Michel zeigte sich sehr ermutigt von dem Engagement der Teilnehmer: „Ich bin sehr bewegt zu sehen, dass es in Deutschland vielleicht doch noch eine neue Stimmung gibt!“

Aktiv werden!

Nach wiederholten antisemitischen Schmierereien in Helsinki rief der israelische Botschafter den finnischen Marsch des Lebens Direktor persönlich an und bat ihn eindringlich: „Ihr müsst jetzt etwas unternehmen! Wenn ihr zu lange wartet, ist es zu spät!“. Das betonte Jobst Bittner auch in seiner Rede am Samstagabend: „Es reicht nicht, ‚Nie wieder!‘ zu sagen. Es reicht nicht, zu sagen ‚Wir erinnern uns!‘, stehen dann aber nicht auf. Deshalb ist das der Ruf an alle Gemeinden, an alle Pastoren: Ändert eure Prioritäten! Erhebt eure Stimme! Werdet aktiv! Aktiv werden heißt: Bringt eure Stimme an die Öffentlichkeit, mobilisiert eure Kirchen, eure Gemeinden, eure Freunde!“ Daraufhin wurde das Motto für die diesjährigen Märsche des Lebens veröffentlicht: „‘Nie wieder‘ sagen ist nicht genug – Aktiv gegen Antisemitismus und Rassismus und für Israel!“
Jobst Bittner erklärte dazu: „Wir wünschen uns, dass dieses Plakat in den unterschiedlichsten Sprachen auf hunderten und hunderten von Märschen sichtbar wird; dass diese Bewegung und unsere gemeinsame Stimme unüberhörbar wird in unseren Städten und Nationen.“

Shlomit Steiner von der Gedenkstätte Yad Vashem unterstütze diesen Aufruf mit ihrem eindringlichen Vortrag über die Rolle der Sprache beim Antisemitismus: „Bleibt nicht beim ‚Nie wieder‘ stehen, sondern beschäftigt euch mit dem Kern der Schoa: Das ist Antisemitismus, der sich in der Sprache des Hasses über Jahrhunderte halten konnte. Es begann nicht in Auschwitz, sondern in der Sprache des Antisemitismus, die in der Öffentlichkeit geduldet und damit zu Normalität wurde. Dagegen müsst ihr aktiv werden!“

Diesem Appell folgen die Märsche des Lebens in diesem Jahr – Werden auch Sie ein Teil dieser gemeinsamen Stimme und kommen Sie zu einem Marsch in Ihrer Nähe.
Mehr Informationen finden Sie unter der Rubrik Veranstaltungen/Märsche.

 

Bildergalerie der Konferenz:

http://bit.ly/Conferencealbum

Videos der Konferenz:

Impressionen 1. Tag: https://www.youtube.com/watch?v=d-XyFXRkp5M

Impressionen 2. Tag: https://www.youtube.com/watch?v=kE4TKk8-d-k

Abend zu Ehren Israels: https://www.facebook.com/marchoflife/videos/194045578631460/

Song „Rumania, Rumania“ von Aaron Lebedeff: https://www.youtube.com/watch?v=eDYl04o-Sg8

Theaterstück „Warum es keine Ausreden gibt“: https://www.youtube.com/watch?v=urXiHIM14fY

2019

WENN DIE STIMME DER ERINNERUNG ZUR MÄCHTIGEN STIMME GEGEN ANTISEMITISMUS WIRD

Vom 15.2. bis 17.2.2019 kamen Organisatoren, Koordinatoren und Unterstützer des Marsch des Lebens aus 20 Nationen zur 4. Internationalen Marsch des Lebens Konferenz in Tübingen zusammen.

„Es ist, als wären wir über Jahrhunderte von zwei Seiten auf einen Berg gestiegen und jetzt kommt die Zeit, in der wir uns durch den Marsch des Lebens als Juden und Christen auf der Spitze begegnen“, erklärte der Direktor des Knesset Christian Allies Caucus, Josh Reinstein, bei einem Frühstücksempfang der etwa 90 internationalen Marsch des Lebens Organisatoren. 

Die dreitägige Konferenz war eine Ermutigung an jeden Einzelnen, seine Stimme zu erheben und Licht zu sein, sei es im persönlichen Umfeld oder öffentlich auf der Straße bei Märschen des Lebens auf der ganzen Welt.  

Organisatoren der verschiedenen Märsche berichteten über ihre Erfahrungen und wie der Marsch des Lebens eine Antwort auf den Rechtsruck in der Gesellschaft ist, auf den Politiker händeringend Antworten suchen. Edward Cwierz, der in Polen eine besondere Stimme für Erinnerung und Aufarbeitung ist, bestärkte am Samstagmorgen die Konferenzteilnehmer: „Das Leben ist zu kurz, um Angst zu haben und an derselben Stelle sitzen zu bleiben!“ 

In einem bewegenden Vortrag über die verschiedenen Stimmen der Erinnerung erzählte Shaya Ben Yehuda, Direktor der Abteilung Internationale Beziehungen in Yad Vashem, am Sonntagmorgen von seiner eigenen Familie. Sein Vater habe bis zu seinem Tod nichts über seine Erlebnisse erzählen können. Auf Nachfragen habe er nur mit Tränen reagiert. Er war eine der vielen „stummen Stimmen“ der Überlebenden. Ben Yehudas Mutter Chava dagegen erzählte von ihren Erfahrungen als Jüdin in Breslau – „Meine Mutter hat uns als Kinder eingeschärft, dass wir uns Freunde suchen müssen. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, Freunde zu finden. Aber durch euch – Jobst und Charlotte und euch alle hier – habe ich viele Freunde gefunden!“  

Zu Freunden wurden auch der Holocaustüberlebende Dr. Arie Itamar, der am Freitag- und Samstagabend seine Lebensgeschichte erzählte, und Itzak Rosman, Vorsitzender der Gesellschaft zur Erinnerung an die Exodus 1947. In Odessa geboren, einer Stadt voll blühendem jüdischem Leben in der Ukraine, musste Arie Itamar beim Einmarsch der Deutschen auf riskantem Weg mit seiner Großmutter ins zentralasiatische Tadschikistan fliehen. Sein Vater fiel bei der Schlacht um Moskau. Die Familie schloss sich nach Kriegsende der Fluchtbewegung nach Eretz Israel an und bestieg so im Juni 1947 das Flüchtlingsschiff Exodus, dessen Scheitern schlussendlich zur Gründung des Staates Israel im Mai 1948 führte. 

Die Grundlage für eine hörbare, authentische Stimme der Erinnerung sei die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte und der Schuld der Christen zur Zeit des Nationalsozialismus, betonte Jobst Bittner, Gründer und Präsident der Marsch des Lebens Bewegung. In seinen Vorträgen zeigte er anhand konkreter Beispiele auf, wie die Reaktion der Kirche damals auf den Nationalsozialismus den Weg für die Schoa bahnte und was die Folgen bis heute sind. Sehr eindrücklich erzählten zwei Familien, wie sich die Decke des Schweigens über die Schuldverwicklungen der eigenen Familie im Leben der nächsten beiden Generationen ausgewirkt hatte. Ihre Aufarbeitung veränderte ihre Herzen gegenüber dem jüdischen Volk und ist die Motivation, heute mit dem Marsch des Lebens gegen Antisemitismus und Israelhass aufzustehen. 

Welche Auswirkung das hat, sprach am Ende der Konferenz der jüdische Deutschrapper Ben Salomo aus: „Ich habe schon oft überlegt, aufgrund des Antisemitismus in Deutschland wieder nach Israel zu gehen. Aber wie sich der Marsch des Lebens gegen Antisemitismus einsetzt, stimmt mich hoffnungsvoll für die Zukunft.“ 
Jede Stimme und jeder Marsch macht den Unterschied – United to be a Light!

 

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2018

MARSCH DES LEBENS TAG MIT YEHUDAH GLICK

„Man muss nicht rechts oder links sein, um am Marsch des Lebens teilzunehmen. Der Marsch des Lebens vereint alle Nationen. Von hier soll eine Botschaft von Leben, Friede und Liebe ausgehen“, sagte der Knessetabgeordnete Yehudah Glick, der seine erste Begegnung mit der Marsch des Lebens Bewegung in Polen als ein unvergessliches Ereignis beschrieb.

Zum Marsch des Lebens Tag am 10. Februar 2018 haben sich Organisatoren und Freunde der Bewegung aus der ganzen Welt zusammengefunden, um durch Austausch, gegenseitige Ermutigung und Planung die Märsche weltweit weiter voranzubringen und den Marsch der Nationen in Jerusalem vorzubereiten. Unter den Sprechern waren der Rabbiner und Knessetabgeordnete Yehudah Glick, Maren Steege vom Generalkonsulat des Staates Israel in Baden Württemberg, Gerd Walther, der Bürgermeister und Mitorganisator des Marsch des Lebens im Seebad Ueckermünde, der Holocaustforscher Prof. Dr. Gideon Greif und die Holocaustüberlebende Assia Gorban.

Der Initiator der Bewegung Jobst Bittner stellte zu Beginn die Frage in den Raum, wie es wohl nach den Novemberpogromen 1938 weitergegangen wäre, wenn diese verhängnisvolle Nacht Zehntausende Menschen gegen Antisemitismus auf die Straße getrieben hätte. Er betonte die Wichtigkeit öffentlicher Statements gegen Antisemitismus und für Israel. Aufarbeitung könne man nicht an Fernsehdokumentationen abdelegieren und eine gleichgültige Haltung gegenüber Israel müsse ausgeräumt werden. Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Marsch des Lebens Tages war diesmal die Ermordung behinderter Menschen im Rahmen der T4-Aktion, die den Beginn des nationalsozialistischen Massenmordes markierte. Professor Gideon Greif hielt dazu am Nachmittag einen bewegenden Vortrag.

Ein iranischer Staatsbürger bestätigte angesichts der iranischen Bedrohung: „Ich stehe zum Staat Israel und zum jüdischen Volk. Der Iran investiert sein ganzes Geld in den Kampf gegen Israel. Wir dürfen jetzt nicht schweigen, denn sonst kann dasselbe nochmal passieren.“ Gerd Walther, der als Bürgermeister des Seebads Ueckermünde seit 2015 Märsche des Lebens in seiner Stadt organisiert, erzählte von seiner ganz persönlichen Aufarbeitung und wie er es als seiner Aufgabe entdeckt hat, Überlebende und deren Nachkommen im Namen der Stadt um Vergebung zu bitten. Assia Gorban, Vertreterin des Holocaustüberlebendenverbands „Phönix aus der Asche“, betonte die Bedeutung des Marsch des Lebens für in Deutschland lebende Juden. Maren Steege vom Generalkonsulat sagte über den Staat Israel, dessen Gründung ein Vorbild für jedes Pionierprojekt sein kann: „Nicht allein von Menschenhand wurde dieser Staat geschaffen. Bei allem Mut und aller Entschlossenheit lehrt uns die israelische Geschichte, dass wir mit Wundern des Allmächtigen rechnen dürfen.“

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Beiträge und die komplette Abendveranstaltung auf YouTube 

2017

 

VOM HOLOCAUST ZU NEUEM LEBEN – 2. MARSCH DES LEBENS KONFERENZ IN TÜBINGEN

Aus der ganzen Welt sind Organisatoren und Freunde vom 3. bis 5. März 2017 in Tübingen zum zweiten Mal zu einer Konferenz zusammengekommen.

Ehrengäste waren unter anderem der israelische Knessetabgeordnete Robert IlatovLandesrabbiner Netanel Wurmser und der Auschwitzüberlebende Yechiel Aleksander. über 4.000 Teilnehmer, die nicht persönlich hatten anreisen können, waren über Livestream bei dem wegweisenden, facettenreichen Programm zugeschaltet. Besonders bewegend waren die Erzählungen des Holocaustüberlebenden Yechiel Aleksander, über dessen Leben auch das Schwäbische Tagblatt im Anschluss an die Konferenz einen ausführlichen Bericht brachte.

Anlässlich eines „Abends zur Ehre Israels“ sprachen am Samstagabend der Knessetabgeordnete Robert Ilatov, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der baden-württembergische Landesrabbiner Netanel Wurmser und andere über die Notwendigkeit, der Vergangenheit zu gedenken und fuer das Leben auf die Strasse zu gehen. Jobst Bittner betonte in seiner Einführung die Stärke der Marsch des Lebens Bewegung, Menschen aus verschiedenen Nationen, Denominationen, Religionen und Parteien zusammenzubringen, die sich gegen das Vergessen und modernen Antisemitismus eins machen. Netanel Wurmser mahnte in seiner Ansprache: „Wir leben in einer Zeit, in der das Leben nicht mehr so viel wert zu sein droht und wir zu viele Dinge billigend in Kauf nehmen. Wir müssen mit allen Kräften dafür sorgen, dass das Leben wieder einen Inhalt und einen echten Wert zugemessen bekommt. „Es darf nicht sein“, sagte auch Boris Palmer, „dass Menschen, die eine Kippa tragen, sich in Deutschland wieder fürchten müssen. Das lassen wir nicht zu! Es bleibt dabei: Deutschland steht unverbrüchlich an der Seite Israels – heute und in Zukunft!“ Robert Ilatov sprach über das heutige Israel und zählte christliche Unterstützer „zu den wichtigsten Verbündeten, die Israel heute hat.“

Zum Programm des Abends gehörte auch eine szenische Lesung der Erzählungen des Holocaustueberlebenden Jerzy Gross, die mit Musik, Tanz und Theater veranschaulicht wurden. Dabei wurde auch die Bedeutung der Zeitzeugenberichte für die junge Generation deutlich.

Die Teilnehmer hörten im Laufe der Konferenz ermutigende Berichte von der Entwicklung der Marsch des Lebens Bewegung in verschiedenen Teilen der Welt. In Polen, Ungarn, Lateinamerika, den USA und vielen weiteren Ländern spielt der Marsch des Lebens mit jährlichen Veranstaltungen eine zunehmend prägende Rolle innerhalb der Gedenkkultur. Jobst Bittner zeigte am Beispiel von Israels Stammvater Jakob auf, wie man trotz Widerständen auf dem Weg zum Ziel bzw. dem „Marsch des Lebens“ nicht nachlassen, sondern umso entschlossener weitergehen sollte. „Solange noch Nachkommen  im Schatten des Holocaust leben müssen, ist unsere Verantwortung nicht beendet“, sagte er.

Prof. Dr. Gideon Greif aus Israel, der als einer der weltweit renommiertesten Holocaustforscher freundschaftlich mit dem Marsch des Lebens verbunden ist, lehrte danach über die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der zionistischen Bewegung. „Der Zionismus ist ein permanenter Traum“, sagte er am Ende seiner Ausführungen, „den jeder Jude und jeder Nicht-Jude, der das auserwählte Volk liebt, für immer in seinem Herzen tragen muss. Zion ist nicht nur ein Ort. Es ist eine Nation, eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft. Es ist der Ort Gottes, seiner Versprechen und deren Erfüllung.“

Die biblische Sicht auf Israel und die Marsch des Lebens Bewegung wurde in den Beiträgen von Gottfried Bühler (ICEJ-Deutschland) und Pastor Stefan Haas deutlich: Die Nationen werden nach Israel ziehen und den Gott Israels anbeten. Davon sei zwar das heutige weltpolitische Geschehen weit entfernt, aber als prophetische Vorboten bringe Gott schon jetzt Vertreter aller Nationen nach Jerusalem. So konnte auf der Konferenz der Termin für den „Marsch der Nationen“ 2018 in Jerusalem bekanntgegeben werden: Vom 13. bis 15. Mai 2018 werden die Nationen zu einem Versöhnungsmarsch in Jerusalem zusammenkommen.

Am Nachmittag verteilten sich die 400 Teilnehmer auf elf verschiedene Workshops zu relevanten Themen rund um den Marsch des Lebens wie etwa „Aufarbeitung der Familienwahrheit“, „Jüdisch-Christliche Begegnungen“, „Umgang mit modernem Antisemitismus“ und andere [Link: Siehe Programmheft]. Alle Workshops wurden aufgenommen und zum Teil live übertragen.

Die unterschiedlichen Bestandteile der Konferenz fügten sich zu einem einzigartigen Ganzen zusammen, das den Weg von der Vergangenheit in die Zukunft weist. Der Landesrabbiner fasste die Botschaft des Marsch des Lebens mit den Worten zusammen: Es ist sehr wichtig zu vermitteln: Am Israel Chai!

Audio-Botschaften der Konferenz online bestellen: www.tos-medien.de

Beiträge der Konferenz auf YouTube ansehen: March of Life

Fotos der Konferenz auf Facebook ansehen: March of Life

2016

 

JÄHRLICHE MÄRSCHE DES LEBENS AN JOM HASCHOA

Zur ersten Marsch des Lebens Konferenz vom 12.- 14. Februar 2016 in Tübingen kamen 400 Teilnehmer, unter ihnen Organisatoren von Märschen aus ganz Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich, Polen, Weißrussland, der Schweiz und Nordirland.

Jobst Bittner, Initiator der Marsch des Lebens Bewegung, betonte, dass es in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen wichtiger denn je sei, dass Christen gemeinsam mit ihren jüdischen Freunden auf der Straße öffentlich ein Zeichen für Israel und gegen jede Form von Judenhass setzen. Er rief dazu auf, dass jährlich an Jom haSchoa (dem jüdischen Holocaustgedenktag) überall in Städten in Deutschland, Europa und weltweit Märsche des Lebens durchgeführt werden.

Dr. Andre Gasiorowski (Israel), Vorsitzender des Holocaustüberlebenden-Hilfswerks Helping Hands Coalition, betonte die Bedeutung der persönlichen Aufarbeitung der Familiengeschichte, die die Märsche des Lebens auszeichnet. An die deutschen Nachkommen der Täter gerichtet sagte er: “Wenn ich die Geschichten von Holocaustüberlebenden im Internet veröffentliche, werden diese häufig von Antisemiten kommentiert, die behaupten, dass alles erlogen sei. Wenn ihr von dem erzählt, was eure eigenen Großväter getan haben, bleiben solche Kommentare aus. Man kann nichts dagegen sagen.“

Als Ehrengast sprach an zwei Abenden der Holocaustüberlebende Jehuda Berkowitz (Israel). Er wurde als Teenager aus dem damaligen Ungarn nach Auschwitz deportiert und hatte seinen sterbenden Vater auf dem Todesmarsch von Auschwitz auf seiner Schulter getragen. Der Marsch des Lebens entstand als symbolische Umkehrung dieser Todesmärsche, indem die Nachkommen der Täter für die Schuld ihrer Familien um Vergebung bitten und gemeinsam mit den Überlebenden und ihren Nachkommen Wege des Todes in Wege des Lebens verwandeln.

Neben dem renommierten Holocaustforscher Prof. Gideon Greif (Israel), der zu den Sprechern der Konferenz gehörte, waren weitere jüdische Gäste aus Deutschland, Israel und den USA angereist. “Wir sind aus verschiedenen Hintergründen zusammen“, sagte Andras Patkai von der Israel Allies Foundation, “aber wir sind verbunden in einem Punkt: Zion. Und wir schämen uns nicht, das so zu sagen.“ Die Konferenz war begleitet von viel Gemeinschaft, gutem Essen, Tanz und Kreativität, darunter das Musical “Nie wieder schweigen“ zum Thema der Konferenz.

Sehen Sie weitere Bilder der Konferenz auf Facebook. Auf dem Youtube Channel des Marsch des Lebens werden einige Beiträge der Konferenz veröffentlicht.