Mit einem viel besuchten Ausstellungszelt über Antisemitismus, einem Zeitzeugengespräch, einem israelischen Kochkurs sowie einem Jiddischkurs fanden vom 27. bis 30. November die alljährlichen Chanukka-Tage in Tübingen statt.

Mit dem Titelbanner „Ich habe nichts gegen Juden, aber…“ stand ein Ausstellungszelt über Antisemitismus drei Tage lang an einer zentralen Stelle in Tübingen. Zahlreiche Passanten blieben interessiert und teilweise verwundert stehen. Unter ihnen waren viele, die nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle nach Antworten suchten. Die Ausstellung zeigte verschiedene Facetten des Antisemitismus und auf welche Weise die Kirche zum Urheber zahlreicher antisemitischer Stereotype wurde. Im Zentrum der Ausstellung, die von hunderten Tübingern besucht wurde, stand jedoch die Frage nach dem Antisemitismus in der eigenen Familie und der eigenen Stadt und die damit verbundene Aufarbeitung.

Am ersten Abend der Chanukka-Tage erzählte Ruth Michel, die 1928 in Königsberg geboren wurde, wie sie den Holocaust und die Verfolgung durch die Nazis überlebt hatte. Bereits mit 13 Jahren musste sie die Schule in ihrem Heimatdorf Mikuliczyn abbrechen, um mit Arbeit die Familie versorgen, da sich ihr jüdischer Vater verstecken musste. Zwei Jahre dauerte dieses Leben zwischen Angst und Hoffnung. Dann kamen deutsche und ukrainische Soldaten, um alle Juden im Dorf zu verhaften. 205 Juden, darunter Michels Vater, wurden mit Genickschuss ermordet und in einem Massengrab zurückgelassen. Ruth Michels konnte mit ihrer Mutter und Schwester in den Wald fliehen. Somit begann ihre jahrelange Flucht, die letztlich zum Überleben führte. Ruth Michels war sehr dankbar für die zahlreichen Besucher, die sich für ihre Geschichte interessieren. Im Januar erscheint eine Neuauflage ihrer Biografie „Flucht nach Vorne“.

Am zweiten Tag ging es weiter mit einem israelischen Kochkurs, geleitet von Petra Hennig, die seit vier Jahren im Marsch des Lebens Haus in Caesarea lebt. Dabei erzählte sie von ihren Erfahrungen bei der Arbeit mit Holocaustüberlebenden. Für viele von ihnen ist ein Besuch im „MdL“ Haus wie ein kleiner Urlaub und es berührt sie sehr, dass Deutsche ihre Geschichten hören wollen. Petra Hennig ist glücklich darüber, dass sie ihnen Aufmerksamkeit schenken und Trost spenden kann.

Abgeschlossen wurden die Chanukka-Tage mit einem Jiddischkurs und einem Nachmittag für Kinder, an dem Aktivitäten wie das Dreidl Spiel oder das Basteln eines Chanukka Leuchters für viel Spaß und Freude sorgten.

Berichte

Jetzt hier den Abend mit Ruth Michel ansehen.

Kommen Sie mit auf eine Tour durch das Ausstellungszelt.

www.tagblatt.de/Nachrichten/Aus-israelischen-Kochtoepfen-438516

 

Kerzen anzünden 2019

Während Chanukka wollen wir auch als Christen die Lichter der Chanukkia öffentlich anzünden. Die Lichter sollen ein Statement gegen erneut aufflammenden Antisemitismus und ein Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit mit Israel sein. Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass jüdisches Leben in unserer Stadt und in Deutschland herzlich willkommen ist!

22.-28.12.2019 jeweils um 18:00 Uhr auf dem Marktplatz in Tübingen
29.12.2019 um 18:00 Uhr gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Reutlingen in der Eisenbahnstraße 124, 72072 Tübingen