Statement des Marsch des Lebens e.V. zu Artikeln im „Steinlachboten“

Am 12. Juli 2025 wurden im Steinlach-Boten zwei kritische Artikel über den Marsch des Lebens in Gomaringen und Dußlingen veröffentlicht: ein Bericht über die Veranstaltung sowie einen Kommentar, in dem der Autor verschiedene Vorwürfe gegen die Organisation aufgreift, die im Internet kursieren. Dadurch werden zentrale Aspekte des Marsch des Lebens einseitig oder verzerrt dargestellt. Die Hauptkritikpunkte betreffen angebliche Judenmission, die Konstruktion eines Schuldkomplexes und eine blind ideologiegetriebene Parteinahme für den Staat Israel. Dazu sind folgende Punkte zu sagen: 

 

1. Seit Jahren finden Märsche des Lebens in enger Kooperation mit jüdischen Gemeinden und Organisationen statt, u.a. dem „Simon Wiesenthal Center“, dem „International March of the Living“ und auch der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg. Unter den Sprechern bei Marsch des Lebens Veranstaltungen in der Region in diesem Jahr waren u.a. IRGW-Vorstandsmitglied Michael Kashi, Gemeinderabbiner Yehuda Pushkin und die jüdische Holocaustüberlebende Mina Gampel. Die TOS-Gemeinde führt seit Jahren in Zusammenarbeit mit IRGW-Rabbiner Marc Pavlovski anlässlich jüdischer Feste öffentliche Veranstaltungen in Tübingen durch. In den Richtlinien für den Marsch des Lebens ist explizit geregelt, dass diese Veranstaltungen niemals eine Plattform für Evangelisation und Mission sein dürfen. Deshalb ist der Vorwurf der Judenmission konstruiert, bösartig und schlicht falsch.

2. Inspiriert durch Jobst Bittners Buch „Die Decke des Schweigens ” legt der Marsch des Lebens großen Wert auf die Aufarbeitung persönlicher Familiengeschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Wissenschaft bestätigt heute eindeutig die Realität transgenerationaler Übertragungen sowie das weitgehende Schweigen in deutschen Familien über die Verwicklung ihrer Vorfahren in die Verbrechen des Nationalsozialismus. Dabei geht es beim Marsch des Lebens ausdrücklich nicht darum, dass Menschen sich für die Taten ihrer Vorfahren schuldig fühlen müssen, sondern um eine zentrale Erkenntnis: Es waren ganz normale Menschen – Menschen wie unsere eigenen Urgroßeltern –, die den Holocaust verübt haben. Aus dieser Erkenntnis erwächst eine Verantwortung zur Erinnerung und zum aktiven Einsatz für jüdisches Leben heute. Gerade in einer Zeit, in der die Erinnerung an den Holocaust zunehmend verblasst, ist es unverständlich, dass junge Menschen, die sich auf diese persönliche Weise erinnern und engagieren, dafür kritisiert werden.

3. Ein zentrales Anliegen des „Marsch des Lebens” ist es, sich für jüdisches Leben in Deutschland und weltweit einzusetzen, das seit dem 7. Oktober 2023 auf verschiedenen Ebenen durch brutalen Antisemitismus angegriffen und bedroht wird. Dies schließt die klare und öffentliche Unterstützung des Staates Israel im Sinne der deutschen „Staatsräson” mit ein. Der stärkste Ausdruck gegenwärtigen Antisemitismus ist der blinde Hass gegen Israel, der sich in der Konsequenz stets auch gegen Juden im Allgemeinen richtet. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man mit allen Entscheidungen der israelischen Regierung einverstanden sein oder keine Empathie für das Leid des palästinensischen Volkes haben müsste. Diese zentralen Aspekte im Kampf gegen Antisemitismus, die in den Reden des Marsch des Lebens in Gomaringen thematisiert wurden, erwähnt der Autor in keiner Weise. Dies zeigt eine erschreckende Unwissenheit, wenn nicht sogar Gleichgültigkeit, gegenüber dem Phänomen des modernen Antisemitismus.

4. Der Marsch des Lebens ist eine internationale Bewegung, die aus der TOS-Gemeinde in Tübingen hervorgegangen ist. Allein in diesem Jahr finden Märsche an über 100 Orten in 20 Nationen statt, die von Organisatoren unterschiedlicher kirchlicher Hintergründe durchgeführt werden und mehrere Zehntausend Menschen mobilisieren. In Tübingen und Umgebung sind zwar viele TOS-Mitglieder in der Organisation tätig, doch schließen sich Menschen aus verschiedensten Hintergründen dem Anliegen an. Aus einer großen Anzahl von Autos mit Reutlinger Kennzeichen auf eine überwiegend TOS-geprägte Teilnehmerschaft zu schließen, ist daher schon fast belustigend – zumal die TOS bekanntlich in Tübingen beheimatet ist.

5. Das journalistische Vorgehen des Reporters wirft Fragen auf. Ausführliche Informationen über den Marsch des Lebens, die ihm von Marsch des Lebens Mitarbeiter Felix Kunze zur Verfügung gestellt wurden, wurden in keiner Weise verwendet. Auch wurde dem Marsch des Lebens im Vorfeld des Artikels keine Möglichkeit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Offenbar ging es dem Autor nicht um ein aufmerksames Beobachten und Berichten, sondern um eine einseitige und voreingenommene Polemik gegen eine Veranstaltung, die nicht seinem Weltbild entspricht.

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