Marsch des Lebens Berlin am 27. April: Die Antwort auf Antisemitismus kommt aus der Zivilgesellschaft
Anlässlich von Jom haSchoa nahmen unter dem Motto „Mit Herz und zu Fuß – für Frieden, gegen Antisemitismus“ rund 400 Personen am Berliner Marsch des Lebens teil. Sprecher waren der Holocaustüberlebende Boris Zabarko aus Kiew, Knessetabgeordnete Ruth Wasserman Lande (Blau-Weiß), Bundestagsabgeordneter Steffen Bilger (CDU), sowie von den Veranstaltern Jobst Bittner (Gründer Marsch des Lebens) und Michel Gourary (European March of the Living).

 

Am Vorabend fand bereits ein Podiumsgespräch zum Thema „Die Fackel der Erinnerung weitergeben” im Centrum Judaicum statt. Dabei betonte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Dr. Gideon Joffe: „Es nutzt nichts, wenn nur Juden ihre Erinnerung an die nächste Generation weitergeben. Wir brauchen die Lektion über den Irrsinn der Vergangenheit. Dafür möchte ich der Marsch des Lebens Initiative und der Familie Bittner für ihr jahrelanges Engagement danken.”

Der Marsch selbst startete am Anhalter Bahnhof, dem Ort der Deportation Berliner Juden. Nach einer geschichtlichen Einführung nahm Josias Terschüren (Christen an der Seite Israels) auf die anti-israelische Demonstration vergangenen Samstag in Berlin-Neukölln Bezug: „Antisemitische Parolen und Aufruf zur Intifada bis zum Tod auf unseren Straßen werden wir als Zivilgesellschaft nicht zulassen!“ Die Teilnehmer liefen anschließend gemeinsam vorbei am Holocaustmahnmal bis zum Brandenburger Tor. Dort erwartete die Teilnehmer neben den Sprechern ein Programm mit Gesang und Tanz.

In ihrer Rede bedankte sich die Knessetabgeordnete Wasserman Lande für die Unterstützung der Teilnehmer: „Wir müssen weiter in Partnerschaft gegen Antisemitismus und für Israel kämpfen!“. Die CDU-Abgeordneten Albert Stegemann und Steffen Bilger waren ebenfalls bei der Kundgebung. Letzterer bestätigte: „Wir werden dafür sorgen, dass ‘Nie wieder’ nicht nur eine Floskel ist und die Sicherheit Israels ist weiterhin Staatsräson für uns.“

Der Holocaustüberlebende Boris Zabarko erzählte von seiner Flucht aus Kiew vor wenigen Wochen. Er musste dabei eine Nacht lang im Zug stehend verbringen, um aus der Ukraine zu kommen. „Es erinnerte mich an die Deportationen in Viehwagen vor rund 80 Jahren: Wir fuhren mit dem Zug in den Tod, heute fahren wir mit dem Zug zum Leben. Damals wurde weggeschaut und es hat niemand geholfen. Ich bin dankbar, dass das heute nicht so ist und Deutschland und viele weitere Nationen helfen.“

Michel Gourary vom European March of the Living: „Wir sind hier vereint, um die Fackel der Erinnerung an die nächste Generation weiterzugeben. Ich persönlich gehe dabei in dem Erbe meines Vaters, der ein Freiheitskämpfer während der Schoa war und meines Großvaters, der auf einem Todesmarsch erschossen wurde.“

Marsch des Lebens Gründer Jobst Bittner sagte an diesem Erev Jom haSchoa: „Sechs Millionen Juden wurden entwürdigt, beraubt und ermordet. Wenn wir an sie gedenken, tragen wir ihre Erinnerung weiter.“ Zu den jüngsten antisemitischen Demonstrationen sagte Bittner: „In unserem Land wird mit zunehmender Häufigkeit die Auslöschung Israels propagiert. Diese fördern den Antisemitismus. Deshalb stimme ich Uwe Becker (DIG) zu; es braucht die politische Einsicht, dass diese Demonstrationen reine Vernichtungsmärsche gegen Israel sind. Für anti-israelische Demonstrationen braucht es ein Verbot!”

Rabbi Teichtal proklamierte anschließend: „Gerade hier, im Zentrum von Berlin, sagen wir 80 Jahre nach einer Zeit der Dunkelheit: Am Israel Chai!“ Er betete das El Male Rachamim.
Anschließend zündeten die Sprecher sechs Kerzen zum Gedenken der Opfer an.

Nachfahren von Tätern sprachen öffentlich über das Schweigen in ihren Familien zur NS-Zeit, sowie den recherchierten Taten, vor allem in der heutigen Ukraine.

Der Marsch des Lebens findet dieses Jahr rund um Jom haSchoa in 20 weiteren deutschen, sowie 50 internationalen Städten statt; fünf davon in der Ukraine, trotz des Krieges, wie Heinz Reuss, internationaler Direktor des Marsch des Lebens, betonte.

Am Folgetag reisten Vertreter des „Marsch des Lebens“ nach Auschwitz um sich dem alljährlichen „March of the Living“, dem Gedenkmarsch der Nachfahren der Holocaustüberlebenden, anzuschließen.

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