TSM Ungarn Holocaustüberlebende Marsch des Lebens
Eine Reise in die Vergangenheit für eine neue Gegenwart

In einem zweiwöchigen Einsatz der Bibelschule des TOS Werks reiste das Team in verschiedene Städte der ehemaligen Österreichisch-Ungarische Monarchie, um sich mit der Aufarbeitung der Geschichte des Holocaust vor Ort zu beschäftigen. Sie führen Seminare und kleine Marsch des Lebens Veranstaltungen durch und trafen sich mit Holocaustüberlebenden – das Herzstück des Marsch des Lebens.

Die erste Station war Wien in Österreich. Direkt nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurden die Wiener Juden unter Beteiligung der Bevölkerung gezwungen, in “Reibpartien” pro-österreichische Slogans von den Gehsteigen zu putzen. Fast 200.000 Juden lebten zu dieser Zeit in Wien. Sie wurden öffentlich gedemütigt und von den Nationalsozialisten misshandelt. Nachdem das Team sich mehr mit der Geschichte der Wiener Juden beschäftigt hatte, entstand die Idee, in der Leopoldstadt die Stolpersteine zu putzen. Es sollte ein Zeichen der Ehre für die über 50.000 deportierten Wiener Juden sein.

Von Wien ging die Reise weiter nach Budapest in Ungarn, wo das Team einige Holocaustüberlebende kennenlernte. Marta war eine dieser Überlebenden, die das Team im Garten eines Cafés im Herzen der Stadt traf. Erst wollte sie ihre Geschichte nicht erzählen – zu schmerzhaft waren die Erinnerungen an das Ghetto und der Verlust der ganzen Familie. „Um das zu erzählen, brauche ich eine Zigarette!“, sagte sie. Am Tag der Befreiung starb ihr Großvater an Hunger. Außer Marta überlebten nur die Mutter und die Großmutter die Schoa. Daraufhin erzählten zwei Nachfahrinnen von SS-Männern die Geschichten ihrer Familien, drückten ihr Bedauern über den Schmerz aus, den ihre Vorfahren verursacht haben und überreichten Rosen als Geste der Versöhnung. Marta war tief bewegt und schloss die beiden Nazi-Nachfahren in ihre Arme. Danach wollte sie unbedingt ein Foto zusammen mit dem Tanz-Team machen.

Außerdem besuchte das Team die Synagoge in Pécs im Süden Ungarns. Der große Innenraum mit 1000 Sitzplätzen ist Zeuge für die große jüdische Gemeinde, die es bis 1944 hier gab. Von den 3.000 Jüdinnen und Juden aus Pécs überlebten nur 300 die Deportation nach Auschwitz. Zu dem Marsch des Lebens Multiplikationstreffen mit Vertretern der Katholischen Gebetshaus Bewegung kam der Oberrabbiner und der Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinde. Es war ein besonderes Vorrecht als Nachfahren der Täter in der Synagoge tanzen zu dürfen. Am Ende verabschiedete sich Oberrabbiner András Schönberger mit den Worten: „Ich empfange und erwidere eure Liebe, die ich heute hier erlebt habe.“

Die Kinder und Jugendlichen, die die Schoa überlebten, sind mittlerweile zumeist über 90 Jahre alt. In Prag, Tschechien, durfte ein Teil des Teams in einem jüdischen Seniorenheim für eine Gruppe von ca. 10 Holocaustüberlebenden jüdische Tänze aufführen, Lieder mit ihnen singen und wiederum um Vergebung für die Beteiligung der Vorfahren an der Schoa bitten. Daraufhin erzählten die Holocaustüberlebenden ihre (Über-)Lebensgeschichten. In diesen bewegenden Momenten entstanden Beziehungen, die außergewöhnlicher und unverdienter nicht sein könnten, wenn man sich die schreckliche Realität der Geschichte anschaut. Ein Beispiel dafür ist Lidice in Tschechien: Das kleine Dorf Lidice wurde 1942 in einem Racheakt auf das Attentat an Reinhard Heydrich, einem der Hauptorganisatoren der Schoa, dem Erdboden gleichgemacht. Die Männer wurden erschossen, die Frauen deportiert und die meisten Kinder durch Gas ermordet. Neun Kinder wurden zum Zweck der „Germanisierung“ ausgesondert und konnten nach dem Krieg wiedergefunden werden. Heute ist der Ort, an dem früher das Dorf stand, eine Gedenkstätte mit einem großen leeren Feld und einem Denkmal für die ermordeten Kinder. Das Team besuchte die Ausstellung und das Denkmal und war zutiefst erschüttert über die Härte und Brutalität mit der ein ganzes Dorf ausgelöscht wurde. Im persönlichen Gespräch mit einer Nachfahrin von einer der Überlebenden konnte eine Person unseres Teams um Vergebung bitten, was zuvor noch niemand getan hatte. Allein diese Begegnung wäre bereits die ganze Reise wert gewesen!

Es war eine Reise, die zu alten Wunden der Vergangenheit führte und neue Wege für heute gebahnt hat. In jeder Stadt wurde die Botschaft des Marsch des Lebens neu oder zum ersten Mal eingepflanzt und schon in diesem Jahr ist ein Marsch des Lebens von Zittau über die Grenze nach Tschechien geplant.

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