73 Orte in 24 Ländern nahmen am weltweiten Aktionstag „Versöhnung statt Hass“ am 4. Oktober anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes teil und setzten damit ein ermutigendes Zeichen der Unterstützung für Israel und jüdisches Leben in ihrem Land.

„Ich fühle mich wie im Himmel“ strahlt Ruth aus der Laubhütte (Sukka) im Holocaust Garden of Hope in Kingwood, Texas. Die Holocaustüberlebende hatte seit Monaten ihr Haus nicht mehr verlassen, doch die Einladung zum weltweiten Aktionstag hatte sie bei schönstem Wetter in den Park in die dort aufgestellte Sukka gelockt und die depressiven Gedanken der letzten Zeit vertrieben.

Überall auf der Welt fanden am Sonntag, den 4. Oktober 2020 kleinere und größere Events statt, je nachdem wie es die lokalen Corona-Verordnungen erlaubten. In Irland versammelten sich 15 Teilnehmer am Rathaus von Belfast, darunter Nachfahren von Holocaustüberlebenden, der irische Direktor der ICEJ und der stellvertretende Vorsitzender der Friends of Israel in Nordirland. Aufgrund der strikten Corona-Regeln hatten sich die Organisatoren in Paraguay eine ungewöhnliche Form des Marsches überlegt: Ein Autokonvoi zog laut hupend durch die Stadt und 18 PKWs formten einen riesigen Davidstern. Ob vor den Vereinten Nationen in Genf, auf dem Marktplatz von Kielce in Polen oder auf den Flachdächern Limas – überall wurde der Davidstern als Zeichen der Solidarität mit Israel aufgerichtet.

In Tübingen nahmen mehr als 200 Personen an einem Solidaritätsmarsch teil, der vom Platz der ehemaligen Synagoge zum Marktplatz führte. Dort fand die Abschlusskundgebung mit Musik und Tanz statt, die viele Passanten zum Stehenbleiben veranlasste.
In seinem Grußwort erklärte Michael Kashi vom Vorstand der Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg mit Bezug auf Levitikus 19,17: „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst […] Mit Ihrer Initiative „Versöhnung statt Hass“ folgen Sie genau dieser Weisung aus der Tora: Den Hass nicht ignorieren; die gelben „Impf-Juden-Sterne“ auf dem Cannstatter Wasen nicht unkommentiert lassen; die Reichkriegsflaggen auf den Stufen unseres Parlaments nicht tatenlos hinnehmen, sondern das Wort ergreifen.“

Ganz real wurde das in Moldawien, wo die in Chișinău geplante Aktion wegen einer Covid-19 Infektion kurzfristig abgesagt werden musste. Die Organisatorin fragte kurzerhand an ihrem Arbeitsplatz im Krankenhaus nach, ob sie mit der Belegschaft einen Davidstern bilden und eine kleine Kundgebung machen dürfte. Zuvor hatte es im Krankenhaus immer wieder antisemitische Kommentare gegeben. Nun standen Ärzte und Pfleger zusammen mit Schildern in der Hand, die jüdisches Leben und Israel ehrten.

Es war das gemeinsame Statement, antisemitische Verschwörungstheorien und jede Art, in der jüdisches Leben verunglimpft, entwürdigt und diskreditiert wird, nicht zu dulden – ganz gleich, ob dies in versteckter oder offener Form im Internet oder auf Demonstrationen passiert.

Vertreter aus Politik und Gesellschaft aus Israel und weltweit unterstützten das Engagement der Teilnehmer von Herzen. Unter ihnen war auch der israelische Botschafter Israels in Deutschland, Jeremy Issarcharoff, sowie die israelische Ministerin für Strategische Angelegenheiten, Orit Farkash.

In der gemeinsamen Abschlussveranstaltung, die auf YouTube live zu sehen war, berichteten die Organisatoren aus den verschiedenen Nationen aus erster Hand von ihren ermutigenden Events am Aktionstag, die unter Beweis stellten, dass wir selbst während einer Pandemie unserer Freundschaft zu Israel sichtbar Ausdruck verleihen können. Das ist ein Zeichen, das in den israelischen Medien begeistert aufgenommen und im Frühstückfernsehen sowie in den großen Onlinemagazinen wie ynet großen Widerhall fand.

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