3. Marsch des Lebens in Genf, 07. Juni 2020

Covid-19 zum Trotz fand am 7. Juni 2020 in Genf zum dritten Mal ein Marsch des Lebens statt, jedoch anders als geplant: nicht auf der Straße, sondern als virtueller online „Marsch“. Das hatte den Vorteil, dass viele namhafte Gäste und Redner sich unbedenklich dazu schalten konnten, um vereint Israel und die Holocaustüberlebenden zu ehren.

In seinen Einleitungsworten erinnerte Richard Pittet, der den Marsch mit einem Team in Genf organisiert, an die moralische und ethische Pflicht, das Gedenken an die Holocaustopfer nicht zu vergessen. Der ansteigende Antisemitismus sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, mit dem wir uns verantwortlich auseinandersetzen müssten. Die ständigen Angriffe der Staatengemeinschaft auf den israelischen Staat, geschürt durch die negativen und einseitigen Nachrichten aus dem Nahen Osten sowie das regelmäßige Infrage stellen der Freiheit und des Existenzrecht Israels, verpflichte uns dazu, nicht zu schweigen, sondern diesen Stimmen öffentlich etwas entgegen zu setzen.

In einem Rückblick auf die vergangenen zwei Märsche in Genf erzählten Holocaustüberlebende aus ihrem Leben und wie sie die Zeit des Nationalsozialismus und die Zeit danach er- und überlebt haben. Es waren ergreifende Zeugnisse, die berührten und das „Nein zu Antisemitismus“ umso dringender machten.

Jobst Bittner, Gründer der Marsch der Lebens Bewegung, wies in seinem Vortag darauf hin, dass insbesondere  durch die Corona-Krise, Verschwörungstheorien gegen Juden wieder zunähmen. Eindringlich stellte er die Frage: „Was machen wir, wenn wir das hören? Sind wir bereit, uns zu engagieren?“ Nach einer Studie des Simon-Wiesenthal-Centers ist die Schweiz seit den 1940er Jahren von Antisemitismus durchdrungen. Diese „Decke des Schweigens“ müsse aufgerissen werden und Genf habe dabei eine entscheidende, geistliche Bedeutung. Vom Holocaustüberlebenden und Nobelpreisträger Eli Wiesel ist die Aufforderung überliefert: „Man muss Partei ergreifen!“ – Jobst Bittner fügt in seinem Vortrag hinzu: „Neutralität bringt eine schweigende Generation hervor!“

Sehen Sie hier die vollständige Aufzeichnung vom 3. Marsch des Lebens in Genf mit deutscher Übersetzung.